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Tylko sztuka cię nie zdradzi

(DE) Das Gespräch mit Biljana Stojakovic

Das Gespräch mit Biljana Stojakovic.
Das Gespräch ist in „Polityka“ „Politik“ in Belgrad erschienen.

Auf dem Umschlag Ihres ersten Bändchens „Das Hasardspiel“ befindet sich das halbierte fotografische Porträt von Ihnen und auf dem serbischen Bändchen „Imperium der Tränen“ ist es „im Ganzen“ zu sehen. Worauf beruht diese Symbolik?

Die Antwort sollte sehr persönlich sein, denn sie sich auf meine inneren Zustände bezieht. Das stimmt, auf diesen Umschlägen steckt eine Art der Symbolik. „Das Hasardspiel“ habe ich in diesem Moment publiziert, als ich mich in einer ziemlich schwierigen Lebenssituation befand. Ich habe in mir einen Zwiespalt mit der Welt gespürt. Mit einem Wort gesagt, war ich unbotmäβig und mit etwas nicht abgefunden. Dieser Protest ist sehr lebendig in den Gedichten aus der damaligen Zeit zu spüren. Diesen Konflikt habe ich auf allen Ebenen des Lebens erlebt. Es hat in ihm eine Zerrissenheit und einen Konflikt mit mir selbst gegeben. Für den Umschlag des Bändchens „Imperium der Tränen“ habe ich mit Absicht dasselbe Foto bestimmt, um mich selbst herbeizurufen, mich, aber ganz anders. Vielleicht verzichte ich nicht auf den Protest, aber dieser Protest ist jetzt anders. Vielleicht mehr bewusst. Die Extremitäten, die sich in mir verbunden haben und jetzt empfinde ich eine gewisse Art der Fülle. Ich habe das Gefühl eines transzendentalen Daseins und einer vollen Harmonie mit der Natur. In der Sprache von Jung würde es klingeln Junga animus und anima sind zu einer Einheit geworden.

Sie schreiben über die Liebe, über die Sünde, über die Kindheit, über eine Frau und einen Mann..... Welches Thema würden Sie nicht in ein Gedicht anführen?

Auf einer gewissen geistigen Etappe würde man höchstwahrscheinlich an einem solchen Scheideweg stehen. Wir fangen an, bewusst zu sein, worüber man schreiben kann und worüber nicht. Aber das bezieht sich auf die Angelegenheiten, die die Weisen betreffen. Im Schreiben muss man den falschen Glanz der Welt vermeiden und versuchen tiefer in die Wurzeln der Gefühle, der Sehnsüchte und der Leidenschaften herunterzusteigen. Man soll die Schönheit nicht nur darin finden, was schön ist, sondern auch darin, was abscheulich und unpoetisch erscheint. Man muss gegenüber allen Aspekten des Lebens aufgeschlossen sein, angefangen von den bezaubernden Sachen bis zu diesen, die fürchterlich sind, bis zu der Tragik der Welt, im vollen Sinne des Wortes. Die Poesie verbirgt sich darüber hinaus in den am meisten prosaischen Dingen, in unserem prosaischen Alltag. Die Aufgabe der Poesie beruht darauf, diesem prosaischen Alltag einen Wert, einen neuen Sinn zu verleihen, sie zu veredeln. Ich mag in der Poesie keine lügenhafte Verschönerung. Ich bin für die Wahrheit, egal ob sie am meisten grausam und schmerzhaft oder sogar vulgär wäre. Das beruht auf der Loyalität gegenüber sich selbst, gegenüber dem Leser und selbst gegenüber dem Text. Natürlich ist die Wahrheit immer durch unseren Standpunkt und unsere Denkgewohnheiten verzerrt. Die Poesie versucht irgendwie die gebräuchlichen Visionen der Welt und der Denkgewohnheiten durchzubrechen. Für mich ist wichtig die Suche nach der Wahrheit durch die Kunst. Eigentlich waren und sind die Musik und die Poesie die Mittel, die diese Wahrheit durch die Selbstvervollkommnung zu finden versuchen. Auf die Frage zurückkehrend, es gäben in der Kunst keine Themen, über diese man nicht schreiben könnte. Das Problem wäre, wie wir diese Themen in die poetische Sprache umsetzen würden.

In einem Gedicht im Bändchen „Imperium der Tränen“ haben Sie gesagt, dass „das Glück einseitig“ wäre. Warum? Warum streben wir alle danach?

Ich denke, dass wir mehr Erfahrung hinsichtlich der Sorge und der Misserfolge haben. Das Glück verursacht, dass wir mehr unterdrückt, eingeschlafen sind, dass wir weniger geistig und existenziell wach sind. Vielleicht ist das Streben nach dem Glücklichsein eine Art der Vereinfachung. Deswegen ergibt sich hier eine Notwendigkeit der Stabilität. Wenn ich jünger war, spürte ich einen Widerwillen der Stabilität gegenüber, zu all dem, was vertragsmäβig das Glück sichern sollte.
Ein solches Leben schien mir leicht, zu leicht zu sein. Und ich vertrage keine Oberflächlichkeit. Wenn ich zwei Wege zur Verfügung hätte, würde ich immer den schwierigen wählen. Denn wir können nur auf diesem schwierigen Weg der Vollkommenheit unseres Schicksals begegnen. Das verbindet sich mit dem Gefühl der Freiheit. Die Freiheit ist eine sehr schwierige Sache, vielleicht deswegen verzichten die Leute darauf und verfallen dem Konformismus, abhängig von den anderen Leuten oder einer politischen Lage, den Beziehungen. Deswegen verwöhne ich mich mit der Einsamkeit, ohne die es keine Freiheit gäbe, und die Freiheit ohne die kein Schaffen möglich sein könnte. Es wären drei Gaben, die wir nach einem langen Kampf mit sich selbst erhalten können. Das Glück ist ein relativer Begriff. Das, was sich für die Öffentlichkeit als Glück erweisen würde, könnte für die Einheit etwas Verfallenes bedeuten. Wir sollen nicht vergessen, dass solche Konstruktionen, wie die utopischen Städte des Glückes wie etwas ganz Unerträgliches erschienen ist. Also wenn das Glück sein sollte, dann nur erfasst als eine Harmonie des Menschen mit der Natur.
Das Glück ist die Fähigkeit die Welt so lesen zu können, als ob es ein geöffnetes Buch wäre.

Die Musik nimmt eine sehr wichtige Rolle in Ihrem Leben ein. Verstehen Sie so wie die Symbolisten die Poesie als das Dasein?

Es steht mir näher die Erfassung der Romantiker, die festgestellt haben, dass dort wo die Poesie endet, fängt die Musik an. Vielleicht ist das, was man in der Poesie nicht ausdrücken kann, kann man in der Musik ausdrücken, aber dort wo die Musik endet, fängt die Poesie an. Ich denke, dass sich die beiden Gebiete irgendwie einander ergänzen. Die eine könnte doch ohne die zweite nicht existieren. Die Lyrik ist doch aus der Musik geboren! Und die Dichter sollten es halt nicht vergessen. Es ist so, dass ich manchmal einfach ein Gedicht höre. Ich weiβ es noch nicht, wie die Worte sein werden, aber ich höre schon die Melodik und den Rhythmus des Gedichtes. Ich meine, dass ich sehr viel von der Musik gelernt habe. Der Reihenfolge der lebendigen Erzählung, der Sangbarkeit, der Verlangsamungen, der Beschleunigungen und endlich der Crescendos und des Tuttis des Orchesters. Das Gedicht ist wie eine kleine musische Miniatur. Und die Poeme sind groβe musische Formen. Jemand hat gesagt, dass mein „Geschrieben auf dem Sand“ wie eine musische Suite wäre. Ich denke, dass solche Analogien sehr angebracht wären und sogar angezeigt. Der Sinn des Gehörs ist sehr wichtig beim Schreiben. Sowohl das äuβere Gehör, dank dem wir „die Melodie der Dinge“ hören können als auch das innere Gehör, das uns darauf aufmerksam macht, was unsichtbar ist. Die Musik ist so, als wäre sie näher dem, was unaussprechbar sei und gleichzeitig ist sie nur ein Gespräch mit den Emotionen des Hörers. Die Poesie dagegen, indem sie sich näher dem Logos befindet, bedeutet ein anhaltendes Gespräch mit dem Intellekt des Menschen. Eliot hat festgestellt, dass der Poet aus den ihn umgebenden Tönen, seine eigenen Harmonien und Melodien geschaffen haben sollte.

Gibt es in Ihrem Schaffen Momente, wenn die Sprache gegen eine Grenze „schlägt“ und wenn es keine Worte gäbe, um sich ausdrücken zu können? Wäre dann die Musik behilflich? Oder vielleicht die Philosophie, dieses Studium jetzt von Ihnen beendet wird?

Dann hilft die Demut. Die Demut gegenüber der Welt und gegenüber dem Wort. Da Wort ist ein groβes Geheimnis und die Poeten sind die Schamanen der Worte. Es ist wahr, dass es entweder die Ereignisse oder die Situationen gäbe, die die Worte überragen. Es gibt die Gemütsbewegungen, die man nicht beschreiben kann. Es besteht eine Gröβe mancher Dinge, die ohne die Worte auskommen könnten. Denn die Worte, sie sind auch die Sprache der Unverständlichkeit. Wie wir wissen, haben die Mystiker gegen die unzureichende Aussprache der Sprache angekämpft. Die Lehren von Zen verwenden fast keine sprachlichen Formen. Auch die Lehre von Platon, die als die wichtigste gewesen sein sollte, ist von dem Philosophen nicht niedergeschrieben worden. Also das, was als das Wichtigste erscheint, entgeht der Sprache. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass das eben die Poesie am nächsten der Ausdruckweise dessen liegt, was am wichtigsten ist. Während des Schreibens möchte ich von Anfang an die Gefühle benennen und ihnen einen Wert und eine Bedeutung verleihen. Damit endlich das Gute und das Böse, die in der heutigen Zeit irgendwie den Kontrast verloren haben, dementsprechend benannt werden könnten. Wenn ich dieses Gedicht schreibe, ist es so als ob ich darin meinen Atemzug, einen Teil meiner Seele, ein Stück von mir selbst einhauchen würde. Die Gedichte müssen erlebt sein und nicht wie aus Papier bestehen.
Interessant ist das, dass gegen die umlaufende Meinung, dass die Kunst keine Grenzen kennt, erst dann, wenn sie die Grenzen besitzt, wird sie zur Kunst, egal ob es sich um die Grenzen der Form, die thematischen Grenzen oder die Grenzen der Sprache handeln würde. Ich glaube, dass die Grenzen, die Kunst einordnen und vervollkommnen. Ein schönes Beispiel ist die Musik von J. S. Bach, die sich streng an die Regeln hält und trotzdem besitzt sie in sich irgendwelche überdimensionale Qualität und macht den Eindruck als ob sie keine diesen Grenzen hätte. Also die Musik hilft in verschiedenen Aspekten. Sogar in diesem, dass wenn man die Grenzen überschreiten möchte, sollte man diese Grenzen akzeptieren. Na und die Musik hat es mir beigebracht, nach den stundenlang dauernden Klavierübungen, die innere Disziplin, die Ausdauerkraft und die systematische Arbeit zu erreichen. Auβerdem hat mich die Musik empfindlicher gemacht und hat in mir die Gewandtheit entwickelt, mit dem inneren Gehör zu hören, was beim Schreiben unentbehrlich ist. Was die Philosophie anbelangt, da fühle ich mich mehr als Künstler als ein Philosoph. Die Philosophie ist zu logisch, ich bevorzuge die poetische Mentalität, die sich auf den alogischen Gebieten bewegt. Für mich ist
„das aufgeklärte Unwissen“ von Nikolaus aus Kuza wichtig. Das Wissen schlieβt manchmal in einem riesigen Gebäude der Bedeutungen ab, in dem sich eine groβe Anzahl von den Türen befindet und man weiβ es nicht, welche die richtige sei.
„Das aufgeklärte Unwissen“ basiert auf der Intuition, die uns zeigt, dass es sich um keine Tür, sondern vielleicht um ein Tor handelt. Diese Intuition ist bei der Schöpfung unentbehrlich.

Im Bändchen „Imperium der Tränen“ waren Sie im Bereich der Interpunktion sehr „sparsam“? Entspricht das etwa den Erfordernissen des Rhythmus oder des gegenwärtigen Wortes?

Einst habe ich scherzhaft gesagt, dass ich die Interpunktion als einen Hürdenlauf betrachte. Die Interpunktion schon, wenn sie ein stilistisches Mittel ist. Ich mag es nicht, dass mir die Interpunktion etwas aufzwingt, mein Text sollte doch das der Interpunktion diktieren. Die Interpunktion zwingt dem Leser die Sinne und die Deutungen dieser Sinne auf, ich bevorzuge es lieber ein breites Bedeutungsfeld zu überlassen. Ich mag viele Möglichkeiten der Interpretationen zur Verfügung stellen. Ich möchte dem Leser nichts aufzwingen, der Leser sollte meinem Text seine eigene Denkweise und seine Sensibilität verleihen. Was sich auf das gegenwärtige Wort bezieht, dann macht mich die Sache der Analogie zwischen den zeitgenössischen plastischen Künsten und der Poesie neugierig. Es scheint, als ob die Literatur hinter der Plastik geblieben wäre. Denn wie könnte man die entrinnende Zeitlichkeit vom Happening oder vom Performance ausdrücken? Wie kann man die Abstraktheit in die poetische Sprache umlegen?
Deswegen war mein tiefstes Vorhaben einen gemeinsamen Punkt finden zu können. Unter dem Einfluβ der zeitgenössischen plastischen Künste habe ich „Die Enzyklopädie des Verrückten“ geschrieben.
Es ist ein experimentaler Text, der auf den überraschenden Assoziationen basiert: auf den surrealistischen, auf den dadaistischen, auf den abstrakten, auf den alogischen. Es ist ein Text, der auf die ausgelaugte Denkweise verzichtet. Und zurückkommend auf die Interpunktion, ich meine, dass sich ihre Rolle und ihre Bedeutungen verändern. Die gegenwärtige Kunst sollte nach den neuen Wegen der Interpunktion suchen.

Sie haben gesagt, ein Poet besäβe ein metaphysisches Vorgefühl dessen, was passieren wird. Ist es damit schwieriger oder leichter zu leben?

Die Poesie und überhaupt die Kunst haben ein biβchen Versonnenheit in sich. Die groβe Kunst ist prophetisch. Die Poesie wir vor die endlichen Fragen gestellt. Das Schreiben sei wie die Balancierung auf der Messerschneide. Sowohl der Himmel als auch die Hölle sind sehr nah. Das Schreiben bedeutet so was wie etwas abschreiben, was man auf dem Tor zur Hölle oder zum Paradies geschrieben hat. Und in diesem Gedicht schreibe ich über das metaphysische Vorgefühl, denn wenn etwas sein sollte, dann würde es passieren. Hier wird die Frage der Abfindung mit dem Schicksal und mit dem Vorübergehen angegriffen. Die Lehre über die Annahme von Allem, was sich auf philosophische Weise abspielen tut. Ich bin der Meinung, dass die individuellen Schicksale und die Schicksale der Welt schon irgendwo, möglicherweise in den Sternen, oder in einem geheimnisvollen Buch eingeschrieben sind und der Mensch hat einen geringen Einfluβ darauf, was passieren würde. Ich habe den Eindruck, dass nichts umsonst geschieht, alles hat seine Bedeutung, sogar die winzigste Kleinigkeit, und es ereignet sich einfach nicht so, sondern es hat einen kosmischen Sinn. Die Ereignisse der Welt nehmen die Gestalt einer Ganzheit an, die zu dem kosmischen Plan gehört. Wenn man das begriffen hat, wird man davor distanziert und man lebt die Weile.

Haben Sie damals gesagt, dass Sie keine Zeitungen lesen und nicht fernsehen. Ist die Wirklichkeit für den Poeten so schrecklich und ist Ihre Entscheidung weiterhin aktuell?

Ich habe in meinem Leben eine solche Etappe gehabt, wo ich mich ganz und gar vom Leben zurückgezogen habe. Ich habe etwa wie ein buddhistischer Mönch in meiner Einöde zwischen den Wiesen am Rand von Krakau gelebt. In dieser Zeit habe ich das Bändchen „Geschrieben auf dem Sand“, sechs Poeme im Geiste von Zen geschrieben. Es ist wie die Sprache von Zen, umgelegt in die europäische Sprache. Das Führen der Zeilenaufzeichnung ist dem Führen des Striches auf den japanischen Zeichnungen ähnlich. Nicht nur der Text ist wichtig, sondern auch der Raum, der sich zwischen den Versen befindet. Wesentlich ist die Leere, das was ist und das was es nicht zwischen den Versen gibt. Die graphische Aufzeichnung ist sehr wesentlich und der Raum, der sich bei Gelegenheit dieser Aufzeichnung öffnet. Diese einsame Zeit hat mir erlaubt die Natur mehr intensiv zu erleben. Eben damals bin ich mir dessen bewusst geworden, wie sehr wir der Naturwelt angehören, wie sehr wir mit ihr verbunden sind, dass erst wenn wir in der Harmonie mit der Natur leben, die Fülle erreichen können. Ich habe lernen wollen aus der Welt wie aus einem geöffneten Buch lesen, aber ob es mir gelungen wäre? Die Antwort auf diese Frage ist eben „Geschrieben auf dem Sand“.
Das stimmt, dass die Grausamkeit der Welt nicht ein Mal die Literatur überragt hat und die Poesie ist irgendwie kraftlos geworden. Der Traum von Hölderlin vom Einfluβ der Poesie auf die Schicksale der Menschheit scheint irreal zu sein.
Aber jedoch ist die Poesie unentbehrlich, sie wäre wie ein Träger der Geistigkeit. Dieser Geistigkeit, die unsterblich ist, in die in jeder Generation die Stimme ergreift, ungeachtet der geschichtlichen Umstände. Die Poesie erfüllt die Rolle eines Führers, sie ist wie ein Licht auf dem Weg der Zivilisation, der voll der Dunkelheit ist. Nur die Poesie, nur die Kunst ist das Versprechen der Freiheit und die Ausbrechung aus den Schemas, aus den Denkschemas, den Sprachschemas, den Mentalschemas oder sogar den Kulturschemas.
Die Aufgabe der Poesie beruht auf der Entdeckung. Dieses Entdecken betrifft die neue Sensibilität, neue Vorstellungskraft, neue Emotionen, neue Gefühle. Ich mag die Poesie oder die Literatur, die an das Geheimnis streifen. Deswegen steht mir das Schaffen von Borges und Hesse sehr nahe. Sie suchen unermüdlich in ihrem Schreiben nach einem philosophischen Stein, immerhin streifen sie an die Geheimtuerei des menschlichen Schicksals und der Welt. Sie sind die Suchenden und gleichzeitig sind wie die Weisen. Ein wahrer Künstler hat etwas von einem Weisen. Was mein Nichtlesen der Zeitungen und Nichtfernsehen anbelangt. Seit einer gewissen Zeit habe ich den Eindruck, dass die Massenmedien gewisse Kunstarten aufzwingen wollen, was ich mit der Manipulation mit den menschlichen Geschmäcken assoziiere. Ich bevorzuge es, mich auf meine Intuition zu verlassen und meine eigenen Wege in der Kunst zu entdecken. Es ist schade die Zeit für das publizistische Labbern zu verlieren.

Worüber erzählen Sie den Studenten, als Person, die das kreative Schreiben unterrichtet?

Bestimmt unterrichte ich kein Schreiben, aber ich bemühe mich sie empfindlicher zu machen und die Welt vorsichtiger zu erleben. Aristoteles hätte festgestellt, dass die Verwendung der Metaphern angeboren wäre, deswegen auch wäre es schwer über das Unterrichten des Poesieschreibens zu sprechen, weil es die Naturanlagen wären. Man kann dagegen helfen, die Werkstatt zu vervollkommnen, auf manche Aspekte der Realität empfindlich zu machen und das, was am wichtigsten ist, die richtige Vision der Welt zu versinnlichen. Für mich sind bei der Schöpfung der Poesie drei Elemente am wichtigsten: das Geheimnis, die Aufmerksamkeit und die Vorstellungskraft. Jedes dieser Elemente eröffnet die Tür zur Poesiewelt und was für Welten es sein werden, ist das von den individuellen Veranlagungen des einzelnen Studenten abhängig. Mein Unterricht soll die Aufmerksamkeit auf manche Möglichkeiten der Poesie lenken. Ich möchte, dass sich meine Studenten dessen bewusst sind, dass der poetische Weg einerseits etwas Wunderbares wäre, aber andererseits wäre er eine irrationale Schufterei. Das Schreiben muss eine Leidenschaft bedeuten, deswegen beruht meine Aufgabe darauf, in ihnen das schöpferische Feuer wach zu machen. Rilke hat in einem seiner „Briefe an den jungen Poeten“ geschrieben, dass wir erst dann schreiben sollten, wenn wir uns das Leben ohne das Schreiben nicht vorstellen.
Also das Schreiben bedeutet auch die Entsagung. Das Schreiben ist wie eine Einöde, zu der nicht viele Personen den Eintritt haben. Ich behandle das Schreiben sehr seriös und das übermittle ich seriös an meine Studenten.